Freitag, 27 Oktober 2017

Nun wählt mal schön!

Geschrieben von Leo Leuchtturm
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So einiges hat sich getan in der Lübecker Parteienlandschaft in den letzten Jahren. Bei der Bundestagswahl hat die SPD-Kandidatin Hiller-Ohm ihr langjähriges Direktmandat an die CDU verloren, aber dies nur, weil die SPD noch viel mehr Stimmen als die CDU verloren hat. Kurioserweise hat wohl mancher Wähler in Travemünde schon die Bürgermeisterwahl vorgezogen, denn die Satire-Partei „Die Partei“, die dem Politik-Business immer wieder den Spiegel vorhält, holte mit ihrem Travemünder „Bürgermeister der Herzen“, Ali Alam, 0,8 %. Der war kürzlich von der Lübecker Stadtpräsidentin gerügt worden, weil er während der Bürgerschaftssitzung Pizza verteilte. Bei der AfD ist Lübeck mit 9,8 Prozent glimpflich davon gekommen, aber spannend dürfte die Bürgerschaftswahl am 6. Mai 2018 werden, wenn sich entscheidet, mit wem es der neue Lübecker Bürgermeister, der am 5. November 2017 gewählt wird, zu tun haben wird.

Oder die Bürgermeisterin. Als aussichtsreiche Kandidatin darf die derzeitige Kultursenatorin Kathrin Weiher gesehen werden. Gewinnt sie die Wahl, wäre sie die erste Frau, die der Hansestadt Lübeck vorsteht, und das seit dem Jahr 1168. Ungewöhnlich ist das Parteienbündnis, das die 54-jährige zur Bürgermeisterin küren will: Neben der CDU die bei der Bundestagswahl wieder erfolgreiche FDP, die Grünen, die BfL (Bürger für Lübeck), aber auch die Linke. – Wird das halten, fragt sich da mancher.

Sicher geht es dem Bündnis aber auch um die Ablösung des derzeitigen Amtsinhabers Bernd Saxe (seit 2000 im Amt, kandidiert er nicht mehr) und seiner Partei, der SPD. Das böse Wort vom Filz macht da die Runde.

Kathrin Weiher ist sympathisch. Dass sie im Ostseebad wohnt, macht sie vielen Travemündern noch sympathischer. In einem großen Saal muss sie niemand lange suchen, denn nach kurzer Zeit ist ihr Lachen zu hören. Ihr vermutlich größter Konkurrent ist der anfangs etwas dröge daherkommende Banker Jan Lindenau (SPD). Im Wahlkampf hat er aber an Temperament zugelegt. Beiden Kandidaten ist gemein, dass sie einander die Eignung für das Bürgermeisteramt absprechen.

Der unabhängige Kandidat und Stadtplaner Detlef Stolzenberg will ohne Hausmacht ins Rathaus und sich mit Überzeugungsarbeit gegenüber Bürgerschaft und Verwaltung durchsetzen. Er ist der einzige, der im Vorfeld vor Priwall Waterfront gewarnt hat: „Städtische Bebauung mit Häuserschluchten“. Viele trauen ihm mindestens einen Achtungserfolg zu.

Außerdem im Rennen sind noch Thomas Misch – für die Freien Wähler, ebenfalls aus Travemünde und aktiver Radfahrer – und als weiterer unabhängiger Kandidat der Versicherungsmakler Joachim Heising. Inhaltlich treibt natürlich alle der Bürgerservice um, der sich durch die Schließung der Stadtteilbüros katastrophal verschlechtert hat. Lindenau will sie teilweise wiedereröffnen (und weitere Serviceangebote städtischer Gesellschaften wie Stadtverkehr und Stadtwerke mit einbeziehen), Weiher schwört auf den mobilen und temporären „Bürgerkoffer“ – „funktioniert anderswo bestens“. Digitalisierung ist nicht nur Weihers Zauberwort, was aber, so Lindenau, rund 25 Prozent der Bürger abhängt, „die das nicht wollen“.

Kräftig gebuhlt wird auch um die Radfahrer. Wie der seit einer kleinen Ewigkeit anhaltende Stillstand – hier und da ein paar Trostpflästerchen – aufgehoben werden soll, können die Kandidaten nur mit Versprechen beantworten (Radschnellwege bei Weiher, der Dauerbrenner Fahrradparkhaus am Lübecker Hauptbahnhof bei Lindenau). Ali Alam will von seinem Bürgermeistergehalt 25,09 % in einen Fonds spenden, aus dem Bürger in Notsituationen unbürokratisch schnelle Hilfe erhalten sollen. Kaum jemand erwartet, dass die Bürgermeisterwahl am 5. November abgeschlossen wird. Wahrscheinlicher scheint eine Stichwahl zwischen Weiher und Lindenau am 19. November – Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Leo Leuchtturm

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